Apfelkerne … und Gedanken die unter die Haut gehen

Dieser Blogpost liegt schon einige Zeit in meinen Entwürfen. Heute möchte ich ihn Euch gerne zeigen. Gedanken zu einem bewegtem Thema.

Wir stehen sonntags in der Küche und schälen Äpfel. Schöne grüne saftige Äpfel. Ich entferne die Apfelgehäuse und Leon sammelt ganz still und leise alle Apfelkerne in seine Hand. Dann sucht er sich eine kleine Tüte und füllt diese hinein und sagt mit Bedacht:

„MAMA – wenn man stirbt hat man doch immer einen letzten Wunsch. Den man vorher auf Papier geschrieben hat. Richtig? Das mache ich jetzt auch für mich. Und mein Wunsch ist,… – er wedelt mit der Tüte voll Apfelkernen vor meiner Nase herum – … dass diese Apfelkerne in meinen Sarg kommen. Damit, wenn ich tot bin und unter der Erde liege, wieder neues Leben aus mir heraus wachsen kann. Ok?“

Stille!

Ich kann in dem Moment nichts mehr sagen! In der einen Hand den Apfel in der anderen ein Messer, stehe ich wie angewurzelt in der Küche und kann mich nicht rühren. Leon läuft Gedanken versunken mit der Tüte voller Apfelkerne in sein Zimmer, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wie lange ich noch so da gestanden bin, kann ich nicht sagen. Meine Gedanken sind Karussell gefahren. Eigentlich kenne ich doch mein Kind. Schon sehr früh war Leben und Tod ein großes Thema bei Leon und er hatte bereits viele Fragen. Warum tun wir Erwachsen uns damit so schwer? Ich versuche mir immer ein großes Beispiel an Leon zu nehmen. An seiner Leichtigkeit und seiner „anderen“ Sichtweise.

Wir haben schon viele nachdenkliche und tiefgründige Gespräche geführt und dabei sind schon viele Tränen geflossen (bei mir).

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Ich habe mich mit dem Thema Sterben in den letzten Wochen und Monaten intensiv auseinander setzen müssen. Mehr unfreiwillig. Aber es gehört nun einmal dazu zum Leben. Da stand ich vor einer Aufgabe, die sonst meine Mama übernommen hatte. Nun war ich an der Reihe und ich musste es regeln. Wie macht man sowas? So viele Dinge die erledigt werden mussten und dazu noch stark sein für den Menschen, den man liebt. Irgendwie hat es geklappt. Irgendwie war ich stark. Aber auch nur, weil mir jemand mit seiner kindlichen Leichtigkeit soviel Kraft gegeben hat. Mit seinen kleinen Apfelkernen.

Ich habe die Bestattung für meinen Schwiegervater organisiert. Es ist mir nicht schwer gefallen, da ich dies alles für meinen Mann getan habe. Es hat uns als Paar noch näher zusammenrücken lassen. Wir sind noch mehr eins geworden. Das Los ist auf uns gefallen. Schließlich sind wir die Kinder und es ist unsere Aufgabe.

Irgendwann muss man verzeihen. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Mit der Frage WARUM müssen wir unbeantwortet weiterleben. Aber wir können es bei unseren Kindern besser machen.

Wenn du an mich denkst, erinnere dich die Stunden in welchen du mich am liebsten hattest.

Rainer Maria Rilke

Bildquelle_Pinterest                                      Bildquelle_Pinterest _ Bildquelle: inspired-design.tumblr.com

So schnell kann alles vorbei sein. So plötzlich. So unverhofft. Also genieße jeden einzelnen Moment und jeden Tag! Ja und dazu gehört auch, dass man sich mit dem Thema Sterben auseinander setzen muss. Somit habe ich mich intensiv mit unserer Vorsorge beschäftigt und wichtige Entscheidungen und Vorkehrungen getroffen. Denn ich habe es für mich auch schon viel zu lange aufgeschoben und mit dem lächerlichen Gedanken abgetan: „Ich bin ja noch jung.“

Einen Punkt muss ich aber auch noch erledigen. Den ist mir Leon schon voraus und zwar meinen letzten Wunsch aufzuschreiben – mein Testament. Hiermit tue ich mich schwer. Sehr schwer. Fiel es mir doch leichter meine Bucketliste zu schreiben.

Ein etwas anderer Blogpost heute. Der mir aber sehr am Herzen liegt. Da dieses Thema derzeit sehr nahe gerückt ist und ich merke, dass wir Erwachsen uns sehr schwer damit tun. Ich danke meinem Sohn, dass er mich mit seiner Leichtigkeit und seiner Sichtweise durch schwere Zeiten begleitet hat.

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DANKE LEON! Ich hab dich unendlich sehr lieb!

P.S.: Vor vielen vielen Wochen habe ich auch einen tollen Post bei RevoluZza entdeckt: Kinder und der Tod. RevoluZza hat ganz viele tolle Bücher vorgestellt und verlinkt zum Thema Sterben und Tod. Schaut mal vorbei, es lohnt sich.

Eure

Katimakeit_Sig_Klein

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